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Permanent Tourist

A personal website by Mark Howells-Mead

Bloggen in einer fremden Sprache

Ich schreibe seit den späteren Neunzigern Blogposts und lerne seit 2001 Deutsch. Nach drei, vier Jahren hierzulande, am Anfang fast nur von Schweizern umgeben, hatte ich die neue Sprache einigermassen in Griff.

Viele Stunden im Büro, viele Stunden vor Stefan Raab im deutschsprachigen Fernsehen, haben mich weiter gebracht. (Von Raab habe ich gelernt, dass es in der Tat eine Kluft zwischen deutschen und britischen Humor gibt, die oft nicht überwindet werden kann…)

Während den letzten 10 Jahren habe ich mich mittlerweile zugetraut, immer mehr in dieser Fremdsprache öffentlich zu schreiben, ohne jeder Satz über eine zweite Person prüfen zu lassen. Aber diese ist trotzdem die erste deutschsprachige Blogpost auf meiner eigenen Website.

Seit 14 Jahren schreibe ich über mein Leben und meine Leidenschaften: Fotografie, Reisen, Webdesign. Ich habe mir manchmal überlegt, ob ich mal in einer anderen Sprache anfangen sollte. Auch wenn die Grammatik und meine schriftlichen Ausdrücke nicht perfekt sind, reicht die Qualität in meinem professionellen Leben längst aus. (Die unter euch, die Deutsch als Muttersprache geniessen, werden sicher das einte Umlaut oder andere fehlerhafter Fall vergeben. Oder?)

Wenn ich für eine Firma schriftlich vortreten darf, warum nicht privat?

Die Technik für die Mehrsprachigkeit hat mich immer gebremst. Aber meine Kollegin Stephanie hat in 2014 ein Vortrag über das Thema an WordCamp in Zürich gehalten. Sie meint, dass für viele Leser in Europa – vor allem in der Schweiz – ist Mehrsprachigkeit normal. Niemand im Saal während Stephanies Vortrag spricht nur eine Sprache… auch wenn nicht alle die weitere Sprache fliessend können. Verstehen können eigentlich alle. Einigermassen.

Vorträge an diesen Tag waren auf Englisch gehalten, aber der Austausch während den Pausen floss in Englisch, Deutsch, Französisch. Weitere Sprachen hier und da. Viele geben zu, Blogs oder Websites in diversen Sprachen zu lesen, auch wenn sie nicht alles verstehen.

Stephanie beantwortete Fragen, die für mich Schlüsseln waren. Wie kann man Blogposts in Fremdsprachen schrieben, ohne die Navigation der Website umzubauen? Werden Besucher nicht verwirrt, wenn alles rundum Englisch ist, der Beitrag selbst aber Deutsch?

Aus ihre Erfahrung – Stephanie hat ihr Blog Climb To The Stars seit Lancierung in Englisch und Französisch geführt – heisst es «nein». Man akzeptiert, was man sieht. Selbst wenn man Deutsch als Muttersprache hat, versteht man genügend Englisch, um zu navigieren. Wenn nicht, ist dies auch kein Grund, eine passende Blogpost nicht ab und zu auf Deutsch zu schreiben.

Darum habe ich entschieden, endlich und neben tausende andere Hobbys und Aufgaben, gelegentlich hier auf Deutsch zu schreiben. Da die deutsche Sprache ein grosser Teil meines Lebens ist: an vielen Tagen spreche ich und höre ich viel mehr Deutsch als Englisch.

Wie oft ich in der zweiten Sprache schreiben werde weiss ich noch nicht. Vielleicht nur selten, Vielleicht eine Welle deutsche Posts, danach eine Weile keine mehr. Sicher wird die Mehrheit der Blogposts noch in meiner Muttersprache erscheinen. Aber wenn man unter deutschsprachigen ist und im deutschsprachigen Raum lebt, warum nicht auch ein wenig mehr in der zweiten Sprache anstreben?

Am Schluss eine kleine Anmerkung: ist dein Webbrowser auf eine Sprache ausser Deutsch eingestellt, wird ein Auszug oberhalb den Text erscheinen, um Leser ohne Deutschkenntnis auf das Thema im mysteriösen Fremdtext hinzuweisen, und auf eine automatische Übersetzung bei Google zu verlinken.

Mal schauen, ob was daraus wird.